Due Diligence
Tax Due Diligence Checkliste

Tax Due Diligence Checkliste

Lukas Conrady
|
Steuerberater, Partner
Aktualisiert am 
27.07.2026
5
 Min. Lesedauer

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine strukturierte Tax Due Diligence Checkliste ist das zentrale Werkzeug, um steuerliche Risiken eines Zielunternehmens vor dem Erwerb zu identifizieren und zu bepreisen.
  • Es empfiehlt sich die Prüfung nach Themenblöcken (Allgemeines, Körperschaft-/Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Lohnsteuer, internationales Steuerrecht, Prozesse) aufzubauen und für jeden Punkt Unterlagen, typisches Risiko und Transaktionsauswirkung erfassen.  
  • Die Ergebnisse der Checkliste steuern Kaufpreis, Garantien, Freistellungen und ggf. Dealbreaker – und reduzieren spätere Nachforderungen, Strafrisiken und Streitigkeiten mit der Finanzverwaltung.

Was ist das Ziel einer Tax Due Diligence im Steuerrecht?

Das Ziel einer Tax Due Diligence ist, die steuerliche Ausgangslage eines Zielunternehmens vor einer Transaktion vollständig zu durchleuchten und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Kaufpreis und Vertragsgestaltung abzuleiten. Kernfragen sind: Wie hoch ist die reale Steuerbelastung der Vergangenheit, welche Nachforderungen können noch entstehen, und welche Strukturen sind für die Zukunft tragfähig oder müssen angepasst werden. Dazu wird das Unternehmen typischerweise rückwirkend über mehrere Veranlagungszeiträume analysiert, häufig fünf bis zehn Jahre, um sowohl laufende Besteuerung als auch anhängige oder drohende Verfahren mit der Finanzverwaltung abzubilden.  

Wie läuft eine Tax Due Diligence praktisch ab?

Eine professionelle Tax Due Diligence folgt einem klaren Projektablauf mit definierten Schritten, damit Zeitdruck und Informationsmengen beherrschbar bleiben. Ausgangspunkt ist eine strukturierte Informationsanforderung an das Target, die alle relevanten Steuerarten und organisatorischen Themen abdeckt. Die Berater sichten zunächst Jahresabschlüsse, Steuererklärungen und Bescheide und gleichen sie mit der Buchhaltung und speziellen Sachverhalten wie Organschaften, Mitarbeiterbeteiligungen oder Auslandstätigkeiten ab. In einem zweiten Schritt werden Auffälligkeiten vertieft: Durch Rückfragen an das Target, Detailanalysen von Einzelpositionen und Abgleich mit Rechtsprechung und Verwaltungsauffassung. Abschließend erfolgt die Bewertung: Jeder Prüfpunkt erhält eine Einschätzung zur Eintrittswahrscheinlichkeit, zur finanziellen Auswirkung und zur steuerstrafrechtlichen Relevanz. So entsteht aus der Checkliste ein Steuerungsinstrument, mit dem Käufer und Verkäufer bewusst entscheiden können, ob ein Risiko akzeptiert, bepreist oder durch Garantien und Freistellungen abgesichert werden soll.

Wie ist eine sinnvolle Tax Due Diligence Checkliste aufgebaut?

Eine praxistaugliche Checkliste ist thematisch gegliedert und ordnet jedem Punkt fünf Elemente zu: Themenbereich, konkrete Prüffrage, benötigte Unterlagen, typisches Risiko und Auswirkung auf die Transaktion. Die Checkliste lässt sich in der Praxis gut entlang der wichtigsten Steuer- und Organisationsbereiche strukturieren: Allgemeines und Stammdaten, Körperschaft- und Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, Lohnsteuer, internationales Steuerrecht sowie Unterlagen, Prozesse und Risikobewertung. Für jeden Punkt wird festgehalten, welche Unterlagen das Target liefern muss, welches Fehlverhalten oder welche Konstellation typischerweise Probleme verursacht und wie sich dieses Risiko wirtschaftlich und rechtlich auf die Transaktion auswirkt. Dadurch wird aus einer bloßen Liste von Fragen ein Arbeitswerkzeug, das sowohl Prüftiefe als auch Verhandlungstaktik vorgibt.

Tax Due Diligence Checkliste  

6 Themenbereiche, 17 Prüffragen – Unterlagen, Risiken und Auswirkungen auf die Transaktion

Wie nutzen Käufer und Verkäufer die Checkliste in der Verhandlung?

Die Checkliste ist nicht nur ein Prüfwerkzeug, sondern auch ein Verhandlungsinstrument: Sie zeigt beiden Seiten, welche Risiken konkret im Raum stehen und wie sie sich finanziell auswirken können. Käufer nutzen die Tabelle, um Nachfragen zu strukturieren, Unterlagen gezielt nachzufordern und Risikopositionen mit Kaufpreis und Garantien zu verknüpfen. Verkäufer erhalten zugleich ein klares Bild, wo sie durch zusätzliche Informationen, Nachzahlungen oder Umstrukturierungen vor Closing die Attraktivität des Unternehmens erhöhen können. Je transparenter die Checkliste geführt und je besser die Ergebnisse dokumentiert werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass später steuerliche Streitpunkte als „Überraschung“ auftauchen und zu Auseinandersetzungen über Gewährleistungs- und Freistellungsklauseln führen.

Häufig gestellte Fragen

Ab welcher Unternehmensgröße ist eine Tax Due Diligence mit Checkliste sinnvoll?
Eine strukturierte Tax Due Diligence empfiehlt sich bereits bei mittelständischen Unternehmen, sobald mehrere Steuerarten, Auslandssachverhalte oder komplexe Strukturen wie Organschaften oder Mitarbeiterbeteiligungsprogramme vorliegen. Auch bei kleineren Targets kann eine schlanke Checkliste helfen, zentrale Risiken früh zu erkennen.
Wie weit zurück sollte die Prüfung gehen?
In vielen Transaktionen werden mindestens fünf Jahre betrachtet, bei besonderen Risiken oder zeitlich länger wirkenden Gestaltungen – etwa Verlustvorträgen oder komplexen Auslandssachverhalten – häufig bis zu zehn Jahre. Hintergrund sind die typischen steuerlichen Verjährungsfristen und Betriebsprüfungszeiträume.
Wie detailliert müssen Unterlagen in der Checkliste bezeichnet werden?
Die Bezeichnung sollte so konkret sein, dass das Target bzw. der Verkäufer genau weiß, was benötigt wird (z.B. „Umsatzsteuer-Voranmeldungen 2021–2025“, „Verrechnungspreisdokumentation für Intercompany-Darlehen“). Zu allgemeine Begriffe führen oft zu Zeitverlust und unvollständigen Daten.
Soll die Checkliste im Datenraum sichtbar sein oder intern bleiben?
Die Prüffragen und Unterlagenanforderungen werden in der Regel offen kommuniziert, damit das Target zielgerichtet liefern kann. Interne Bewertungen von Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadenshöhe und Dealbreaker-Potenzial bleiben meist vertraulich beim Käuferteam.
Wie oft sollte die Checkliste im Projektverlauf aktualisiert werden?
Eine Checkliste ist ein lebendes Dokument. Sie sollte mindestens nach jeder größeren Informationslieferung und nach den wichtigsten Management-Gesprächen aktualisiert werden, damit neue Erkenntnisse unmittelbar in die Risikobewertung, Kaufpreisüberlegungen und Vertragsgestaltung einfließen.